Der Prophet Jeremia

Die Botschaft des Propheten Jeremia


»Bis zum heutigen Tag gilt dieses Buch als das geistlichste im Alten Testament, mit Ausnahme der Psalmen« — so lautet das Zeugnis jenes großen schottischen Theologen Direktor Whyte. »Soweit wir die nötigen Informationen zur Urteilsbildung haben«, schrieb Dr. W. White, »war Jeremia der gesündeste, jüngste, tapferste, großartigste Mann in der Geschichte des Alten Testaments.« Isaac Williams sagt: »In der ganzen Schrift gibt es nichts, was so beredt über die Liebe und das Leid und den Trost spricht wie die Kapitel 31 und 33 von Jeremia. In keiner anderen Sprache könnten solche Worte mit einer derart bewegenden Schönheit gefunden werden. « Derartige Lobreden werden die schockieren, die bisher noch nichts Schönes im Buch Jeremia erkannt haben!

Das Leben Jeremias

Im Gegensatz zu vielen Propheten hat Jeremia recht viel über sich selbst zu sagen. Er war von Geburt Priester und wurde in seiner Jugend zum Prophetendienst berufen. Als er seine Jugend (er war erst 21 Jahre alt) und seinen Mangel an Erfahrung und an Beredsamkeit als Gründe angab, nicht auf diese Berufung einzugehen, erhielt er die Zusicherung, dass Jahwe ihn vor seiner Geburt zu diesem Werk ausersehen habe; dann nahm er die göttliche Kraftausrüstung und den Auftrag entgegen (1,1-10). Er erhielt den Befehl, nicht zu heiraten (Kap. 16). Die Botschaft, die er überbringen musste, war streng und feierlich und bereitete diesem empfindsamen und wahrhaft patriotischen Gottesmann viel Leid. Sein Dienst wurde von seiner eigenen Familie nicht akzeptiert, und die Bewohner seiner Heimatstadt (11,18-23) beratschlagten, wie sie ihn umbringen könnten. Auch die Bewohner Jerusalems taten sich gegen ihn zusammen (18,18), bis sie ihn schließlich schlugen und ihn in den Stock legten (20,1-3). Nach seiner Befreiung wurde er angegriffen und hätte beinahe sein Leben eingebüßt (Kap. 26). Er wurde mehrmals gefangen gesetzt (37,11-15; Kap.38). Nach dem Sturz Jerusalems wurde er von Nebukadnezar befreit und half dem neuen Gouverneur; als aber dieser von Gedalja ermordet wurde, wurde Jeremia gegen seinen Willen gezwungen, die Flüchtlinge nach Ägypten zu begleiten. Hier wurde er am Ende seines 40-jährigen Dienstes zu Tode gesteinigt.

Charakter Jeremias

Er war nicht mächtig wie Elia, beredt wie Jesaja oder engelhaft wie Hesekiel, sondern er war furchtsam und zurückhaltend, sich seiner Hilflosigkeit bewusst mit einem Verlangen nach Mitleid und nach Liebe, die er nie kennenlernen sollte — so war das Organ, durch das das Wort des Herrn jenes korrupte und verkommene Zeitalter erreichte. Warum einen solchen Mann für einen derart schwierigen Auftrag auswählen? Weil nur eine sensible Person strenge Gerichtsbotschaft mit Überzeugungskraft verkündigen kann. Der Ton ist wichtig; Jeremia war der Prophet des zerbrochenen Herzens.

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