Jesaja 63 (4)

Gottes Gericht über die Völker


12 der seinen herrlichen Arm zur Rechten des Mose einherziehen ließ, der das Wasser vor ihnen spaltete, um sich einen ewigen Namen zu machen, 13 der sie durch die Tiefen ziehen ließ <so sicher> wie Pferde in der Steppe, die nicht stürzen? 14 Wie das Vieh, das in das Tal hinabzieht, brachte der Geist des HERRN sie zur Ruhe. So hast du dein Volk geleitet, um dir einen herrlichen Namen zu machen.«“

Hier ein Schwenk zu der unergründlichen Gnade Gottes. Gott tritt ganz sicher nicht gerne als vergeltender Richter auf. Sein heiliges und vollkommenes Wesen lässt ihn schlichtweg nicht anders, als Ungerechtigkeit zu bestrafen. Aber am liebsten tritt Gott als gnädiger Retter auf. Gerade die Zeit, in der Gott durch Mose das Volk aus Ägypten befreite, ist für Israel in steter Erinnerung. Die Rettung am Roten Meer, die Führung durch die Wüste, die Versorgung mit allem Nötigen sind für das Gottesvolk bis heute unvergessen und oft besungen. Genauso oft vergaß das Volk dann wieder die Wohltaten Gottes und wandte sich von ihm ab. Und dann geschah, was in Vers 10 beschrieben wird: „Da wandelte er sich ihnen zum Feind“. Es bewahrheitet sich, was auch der Psalmist schon zu berichten wusste:
„Gegen den Treuen verhältst du dich treu, gegen den untadeligen Mann untadelig. 27 Gegen den Reinen zeigst du dich rein, gegen den Verkehrten aber verdreht. 28 Ja, du rettest das arme Volk und erniedrigst hochmütige Augen.“ (Psalm 18, 26-27)

In solchen Zeiten sucht das Auge des Volkes wieder nach der Ruhe, die nur Gott schenken kann. Wenn Gott sich seinem eigenen Volke zum Feinde macht, dann mit dem Ziel, dass es sich besinnt und zu Gott zurückkehrt. Gott ist kein willkürlicher Potentat, der seine Leute gängeln will. Nein, er verfolgt mit seinem Handeln die klare Absicht, zur Umkehr zu bewegen, um so Gnade üben zu können. Man stelle sich vor, unsere Polizei würde heutzutage alle Banküberfälle nicht mehr verfolgen. Welche Bank in unserem Land wäre dann noch sicher? Die Verurteilung und Bestrafung der Täter hat auch immer einen resozialisierenden Zweck. Wer sich gut führt, wird sogar früher in die Freiheit entlassen. Wir bewegen uns mit unserem Strafrecht und dem Justizvollzugsrecht gar nicht einmal so weit weg vom Grundgedanken Gottes: Wer bereut, wer sich aufrichtig bessern möchte, erhält Privilegien gegenüber denen, die das für sich ablehnen. Wenn wir so handeln, sollte Gott es nicht erst Recht tun dürfen?



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