Bibelmarathon - Mathäus Kapitel 5 (5)

Der Hammer - Eine Predigt, die es in sich hat


4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.

Leid haben viele. Sind sie alle hier gemeint? Ich denke, dass die Betonung auf „tragen“ liegen könnte. Wer sein Leid trägt, es bewusst als Aufgabe aus Gottes Hand empfängt, etwa nach der alttestamentlichen Erkenntnis: „Gelobt sei der Herr täglich, er legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch…“ (Ps.68,20), der findet einen Trost, den kein Mensch zu spenden in der Lage ist, und der sich demjenigen, der mit seinem Schicksal grollt und hadert, nie erschließt.


5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.

Im Alten Testament heißt es dazu: „Ein Geduldiger ist besser als ein Starker!“ (Spr. 16,32) und „Durch Stillesein und Umkehr würdet ihr stark sein!“ (Jes. 30, 15). Nach jeder gesellschaftlichen Katastrophe geht das große Suchen nach den Integeren, nach den Unkorrumpierten, nach den Bescheidenen los. Zunächst reißen immer die Vorlauten das Heft an sich. Wenn sie dann den Karren in den Dreck gefahren haben, geht die große Umschau nach Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Unbestechlichkeit und Bescheidenheit los. Das zieht sich durch die gesamte Geschichte bis heute und kann uns nur zum Ansporn dienen.


6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.

Wir alle bilden uns so viel auf unser Gerechtigkeitsempfinden ein. Und nur selten bemerkt ein Mensch, was für ein fragiles Ding sein Gerechtigkeitsgefühl eigentlich ist. Das können wir ganz leicht daran sehen, wie wir einen Autofahrer, der einen Fehler uns gegenüber begeht und den wir nicht kennen, im Stillen betitulieren und wie wir den selben Fehler kommentieren, wenn er von jemanden gemacht wurde, den wir gut kennen und mögen. Hunger und Durst sind Synonyme für Mangel. Jesus spricht hier nicht denjenigen das Wort, die sich für „super gerecht“ halten, sondern denjenigen, die an ihrer eigenen Ungerechtigkeit und mit ihr an der Ungerechtigkeit der ganzen Welt leiden.


7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Barmherzigkeit ist die Fähigkeit, ganz ehrlich am Ergehen eines Anderen Anteil zu nehmen. Wer diese Fähigkeit von Gott als Gabe erbittet, sie pflegt und kultiviert, der wird sie in doppelter Weise zurückbekommen. Sowohl durch Menschen, als auch durch Gott. Wer barmherzig ist, begreift, wie sehr der himmlische Vater in jedem Augenblick an unseren Leiden und Qualen Anteil hat. Gott steht nicht über unserem Schmerz, er ist mitten darin.

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