Bibelmarathon - Mathäus Kapitel 5 (4)

Der Hammer - Eine Predigt, die es in sich hat


… und sprach: 3 Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.

Natürlich geht es bei dem Wort von der „geistlichen“ Armut um die persönliche Gottesbeziehung und den Mangel, den jeder Mensch in seiner Erlösungsbedürftigkeit Gott gegenüber wahrzunehmen hat. An dieser Stelle möchte ich kurz darüber nachdenken, wie stark das Geistige mit dem Geistlichen verwoben ist.

Einen Großteil seiner Energie investiert Jesus in den Kampf gegen die geistige Ignoranz. Die Überheblichkeit des Menschen verleitet ihn immer wieder sehr schnell dazu zu glauben, dass er schon alles verstanden hat, im Blick auf Religion sowieso. Perfekte Repräsentanten dieses Irrtums sind die Schriftgelehrten und Pharisäer in der Bibel. Zugegeben, sie befassten sich intensiv mit dem Alten Testament, aber sie taten es als solche, die die Schrift dominierten, sie anpassten, sie formten und ihrer Interpretation für das Leben unterwarfen.
Sie lasen die Bibel wie ein Kochbuch: man nehme 1. 2. 3….
Sie lasen die Bibel wie ein Gesetzbuch: wenn, dann…
Sie lasen die Bibel wie einen Fahrplan oder wie einen Katalog.

Aber die Bibel ist etwas anderes. Sie ist ein Brief, ein Liebesbrief Gottes an die Welt. Jeder, der schon einmal einen Liebesbrief bekommen hat, weiß, dass er ihn mit ganz anderen Augen als jedes andere Schriftstück liest. Man liest zwischen den Zeilen, man lauscht förmlich in jedes einzelne Wort hinein, man erlebt die Stimmungen, Hoffnungen, Bedenken und Wünsche des Geliebten aus dem gesamten Brief heraus, ohne dass diese vielleicht auch nur an einer Stelle konkretisiert worden wären. So will das Wort Gottes gelesen, gespürt und erfahren werden. Wie die Propheten es ausdrückten und es treffender eigentlich gar nicht gesagt werden kann: es geschieht das Wort Gottes!

Wer das Reden Gottes so hört, der erfährt einerseits eine ungeheure Horizont-Erweiterung und im selben Augenblick andererseits eine tiefe Bewegung zur Bescheidenheit: Gott ist für mich nicht zu erfassen. „Deine Gedanken sind wie der Sand am Meer, wer kann sie zählen“ sagt der Psalmist (Ps.139, 18). Und selbst der große, hoch gelehrte Paulus zögert nicht zu sagen: „Unser Wissen ist Stückwerk…“ (1.Kor.13). Wer begriffen hat, dass wir als Menschen dem lebendigen Gott gegenüber immer nur eine Bruchteilerkenntnis haben, der besitzt genau jene geistliche Armut, von der Jesus hier spricht und der das Himmelreich verheißen ist.

[ vorherige Seite ]   [ nächste Seite ]   [ Inhaltsverzeichnis ]