Bibelmarathon - Mathäus Kapitel 5 (13)
Der Hammer - Eine Predigt, die es in sich hat
Im Mittelalter wurde so eine Fehde, ein Krieg eingeleitet, indem die Ehre des Anderen verletzt wurde. Die Ehre, die Würde des Menschen, sie ist sein höchstes Gut. Mit Recht steht sie im Grundgesetz unseres Landes ganz oben. Wenn unsere Ehre verletzt wird, geraten wir als Person in ein Zwielicht und haben das Bedürfnis, uns zu rechtfertigen, uns zu rehabilitieren, uns wieder ins rechte Licht zu rücken. Unendlich viel Zeit, Kraft und Geld werden unter Menschen dafür aufgewandt.
Jesus weist seinen Nachfolgern einen anderen Weg. Christen haben es nicht nötig, sich permanent selbst ins rechte Licht rücken zu müssen. Sie müssen sich nicht bei jedem Angriff rechtfertigen. Sie müssen nicht für ihre Ehre kämpfen. Warum? Sie sind von Gott angenommen. Das ist die größte Ehre, die einem Menschen je zuteil werden kann. Das ist das hellste Licht, in dem jemand erscheinen kann. Das ist die größte Rechtfertigung, die einem Menschen begegnen kann. Unübertroffen fasst der Apostel Paulus das mit den Worten zusammen: „Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein.“ (Rö. 8,31).
40 Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. 41 Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei. 42 Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.
Christen sind großzügig, weil Gott großzügig ist. Sie versuchen so zu wirtschaften, dass sie übrig behalten, um zu helfen. Bei Rock und Mantel geht es um den Umgang mit Schulden und Gläubigern. Bei dem wenigen, was Menschen früher besaßen, hatten sie oft nur ihren Mantel, um ihn an einen Gläubiger zu verpfänden. Da dieser Mantel gleichzeitig Zudecke für die Nacht war, musste er über Nacht vom Gläubiger zurückgegeben werden, um am nächsten Tag erneut als Pfand hinterlegt zu werden.
Jesus fordert seine Leute zu absoluter Korrektheit auf, ganz speziell im Zusammenhang mit Schulden. Da wird in der Welt so viel geschoben, getrickst und betrogen. Das kann für Jesusleute so nicht laufen. So wie bei ihnen ein Ja auch wirklich Ja bedeutet und ein Nein auch wirklich Nein, so zahlen sie Schulden prompt, ohne Aufforderung und in voller Höhe zurück. Dabei geht es Jesus nicht in erster Linie um Moral, sondern um Unabhängigkeit. Christen haben Wichtigeres zu tun, als wegen Gelddingen herumzufeilschen oder ihr Gewissen zu belasten.
Christen reagieren auf Bitten wohlwollend und hilfsbereit. Stimmt das noch? Leiden wir heute nicht gerade auch in christlichen Kreisen unter der „Delegitis“? Jeder ist bemüht, Arbeiten von sich weg zu delegieren, aber wer packt eigentlich noch fröhlich zu? Sind heute auch die christlichen Gemeinden zu „Hilfsbereitschaftswüsten“ geworden? Und wie ist das mit den Bettlern?
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