Bibelmarathon - Mathäus Kapitel 3 (4)

Stimme aus der Wüste - Klartext


Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“ hatte zur Zeit des Johannes eine doppelte Bedeutung. Zunächst war in der Menschwerdung Christi Gott erstmal in Fleisch und Blut sichtbar und betastbar geworden. Also für das Verständnis des dreidimensionalen Menschen räumlich besonders nahe. Zum anderen, und das gilt bis heute, ist das Himmelreich permanent zum Greifen nahe. Näher als die Luft, die uns umgibt. Aber diese unglaubliche Nähe bleibt gleichzeitig unüberwindbare Distanz, wenn ihr durch die Buße nicht konkreter Zugang zu unserem innersten Kern, zu unserm Selbst, gewährt wird.


3 Denn dieser ist's, von dem der Prophet Jesaja gesprochen und gesagt hat (Jesaja 40,3): »Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg und macht eben seine Steige!«

Dem Auftritt des wichtigsten Menschen in der Weltgeschichte gehen keine Plakataktionen, Werbespots, Promotion-Events oder Mammutproben eines Massenaufgebotes von Musikern, Sängern, Tänzern und Fahnenträgern voraus. Keine Paraden werden aufgestellt, keine Stadien modernisiert, keine Festhalle umgebaut. Der V I P (very important person = sehr wichtige Person) aller Zeiten wird von der Stimme eines Predigers in der Wüste angekündigt. Kann diese Feststellung vielleicht gerade auch Verkündigern in unseren Tagen hilfreich sein, in ähnlich prägnanter Schlichtheit ihre Platzanweisung zu verstehen? Gibt es nicht gerade auch auf den Kanzeln, in der kirchlichen Hierarchie und dem gesamten frommen Business viel zu viel Starrummel? Die Stimme eines Predigers in der Wüste, das hat was! Dem wohnt ein ganz eigener Charme inne. Das entfaltet eine ganz eigentümliche Anziehungskraft.


4 Er aber, Johannes, hatte ein Gewand aus Kamelhaaren an und einen ledernen Gürtel um seine Lenden; seine Speise aber waren Heuschrecken und wilder Honig.

Im Fall des Johannes wird dies noch durch seinen gesamten Lebensstil unterstrichen. Botschaft, Ambiente und Ausstrahlung passen hervorragend zusammen. Sicher ist seine Diät nicht auf alle, die das Wort Gottes verkündigen, normativ zu übertragen; aber sie will klar ein Ansporn sein, darüber nachzudenken, ob Verkündiger leben können wie sie wollen, oder ob sie nicht generell eine ganz große Verantwortung dafür tragen, dass - auch in unserer Zeit - Botschaft, Ambiente und Lebensstil unbedingt zusammen passen müssen. Dass das Christentum heute so zerbrechlich dasteht, hat gerade auch etwas mit seinem Erscheinungsbild seiner Verkündiger und Repräsentanten in der Öffentlichkeit zu tun. Wenn wir meinen, dass Maßlosigkeit, Homosexualität, Ehebruch, Agnostizismus, Hurerei, Unzucht, Völlerei, Leichtfertigkeit, Oberflächlichkeit und Gier sich ohne weiteres mit dem Berufsbild des Verkündigers vereinbaren lassen, darf sich die Kirche und ihre Gemeinden über die katastrophalen Auswirkungen auf ihre Glaubwürdigkeit in der Gesellschaft nicht wundern.

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