Bibelmarathon - Mathäus Kapitel 3 (2)

Stimme aus der Wüste - Klartext


Bis Mose dem brennenden Dornbusch begegnete, war es ein Tag wie jeder andere in seinem Leben, an dem er seine Herde weidete. Dann kreuzte Gottes Zeitpunkt seinen Tagesplan und alles veränderte sich. Als Samuel den kleinen David zum König weihen sollte, war der noch nicht einmal zu Hause, man musste ihn suchen. Unerwartet erblickte Jesaja die Herrlichkeit Gottes im Tempel und fürchtete um sein Leben. „Da geschah das Wort des Herrn…“ begegnet uns immer wieder in den Aufzeichnungen der Propheten und unterstreicht die unberechenbare Plötzlichkeit und Dringlichkeit, mit der Gottes Aufträge in das Leben seiner Gläubigen hereinbrechen können. Auch der Vater des Täufers Johannes empfing die Ankündigung der Geburt seines Sohnes total unvorbereitet und Jesus wird später nicht müde, seine Jünger zur Wachsamkeit zu ermahnen, weil Gott oft völlig unerwartet in die Weltgeschichte und in die Biografie eines Menschen eingreift.

Dieses Eingreifen Gottes geschieht in erster Linie durch Sein Reden. Beginnend mit dem Schöpfungsbericht ist es das „deus dixit“ (Gott hat gesprochen), das nachhaltig auf die Welt und auf das Leben der Gläubigen einwirkt. Bei  Abraham sind es Worte der Berufung und der Verheißung, bei Moses Worte des Gesetzes, bei den Propheten Mahnungen des Gerichtes, bei dem Täufer ein Aufruf zur Umkehr und bei Jesus Worte der Einladung in das Reich Gottes.  In allen Fällen sind Ereignisse, Wunder, Taten und Gerichte Gottes nachgeordnet. Es ist eindeutig, dass die Bibel eben nicht den Event, das Ereignis, in den Vordergrund stellt, sondern das Reden Gottes als ultimative Aufforderung Gottes an den Menschen versteht. Es ist notwendig, dies zu betonen, weil der Eindruck entsteht, dass in vielen Kirchen und Gemeinden der Event heute weitaus höher geachtet wird als das schlichte Wort.

Sowenig das Wort Gottes zu vorhersehbaren Zeiten geschieht, so wenig geschieht es an vorhersehbaren Orten. Hier ist es die Wüste, eigentlich der letzte Ort, an dem ein Redner seine Zuhörerschaft suchen würde, aber der Auftrag Gottes an den Täufer ist so und nicht anders. Schroff und abweisend wie die Umgebung ist die Botschaft, die der Prediger zu bringen hat. Zu ihr passt das Ambiente perfekt und weil Person und Botschaft authentisch sind, findet sie auch ihre Zuhörer, die in Scharen hinaus in die Wüste strömen. Vielleicht sollten wir öfter einmal darüber nachdenken, ob Verkündigung nicht manchmal an ganz anderen Orten zu geschehen hätte als in gepflegten Gemeinderäumen oder Kirchen, damit Umgebung, Zuhörerschaft und Botschaft wieder besser zusammen passen. Oder haben wir am Ende gar keine eigenständige Botschaft mehr und predigen und orientieren uns nur noch an dem, was die Menschen hören möchten, an Plätzen, die uns angenehm sind, mit einem Beiprogramm, das sie unterhält?



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