Bibelmarathon - Mathäus Kapitel 28 (6)

Wende und Schussfahrt - Jetzt oder nie


15 Sie nahmen das Geld und taten, wie sie angewiesen waren. Und so ist dies zum Gerede geworden bei den Juden bis auf den heutigen Tag.

Das ist der Söldner, wie er immer war und immer sein wird. Er nimmt seine Beute und führt seine Befehle aus. Über die Folgen mag sich jemand anderes Gedanken machen. Hauptsache die Kasse stimmt. Man hat in unseren Tagen den Eindruck, dass trotz schrumpfender Armeen das Heer der „Söldner“ auch im Bereich von Wirtschaft, Politik und Wissenschaft beständig wächst.


16 Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.

Weil ich gerne Filme schaue, habe ich mir schon manchmal vorgestellt, ein Filmproduzent oder Regisseur zu sein. Wie würde ich dann diese Szene gestalten? Erstes Morgenlicht, stimmungsvolle Musik, entschlossene Männer schreiten würdevoll eine Anhöhe hinauf, um in einer letzten Begegnung mit ihrem Idol letzte Anweisungen zu empfangen, die sie dann mit großer Kraft und Entschlossenheit umsetzen würden…

Aber mein Film ist nie entstanden, denn der Verlauf dieser Begegnung war alles andere als spektakulär. Es muss wohl eher ein schleppender Aufstieg gewesen sein, der die Jünger auf den Berg zu Jesus führte. Die Ereignisse in Jerusalem sind besorgniserregend. Die Jünger werden ja nicht nur der Leichenfledderei beschuldigt, sondern auch der Huldigung eines Hochverräters, also der Volksverhetzung. Da ist pure Angst greifbar. Was soll werden und wie muss man sich einen Auferstandenen vorstellen, und wie kommuniziert man mit so jemandem, der aus dem Totenreich zurückgekehrt ist? Was wird er sagen zu unserer nächtlichen Flucht? Nein, das war vermutlich kein heroisches Bild, das dort am Hügel zu sehen war.


17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.

Wie die Frauen am Grab, so fallen auch die Jünger nieder, Bilder und Gedanken schwirren womöglich in ihrem Kopf herum. Sorgen und Ängste sind so laut, dass sie keinem mehr trauen, nicht einmal mehr den eigenen Augen und Ohren.

Auch unsere Nachfolge geschieht heute noch in diesem Spannungsfeld zwischen eigener Unzulänglichkeit und Bedrohung durch die Außenwelt. Darum ist für uns auch hilfreich zu sehen, wie Jesus mit seinen Leuten in dieser Situation umgeht.


18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

Jesus, der Seelsorger. Er handelt anders als man erwarten würde. Weder kritisiert er die Jünger wegen ihres Kleinglaubens, was er an anderen Stellen durchaus tat.

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