Bibelmarathon - Mathäus Kapitel 26 (15)

Bis zur bitteren Neige


Wie kleine Kinder, wie ein losgelassener Mob auf der Straße, so freuen sich die erhabenen Herren über ihre eigene Unzulänglichkeit. Sie feiern ihre eigene Lüge als großen Erfolg. Wie oft sollte sich das in der Geschichte bis in unsere Tage noch wiederholen? Das Geschehen ist Offenbarungseid und Schrifterfüllung zugleich, damit auf dem finsteren Hintergrund menschlicher Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit umso heller strahle.


69 Petrus aber saß draußen im Hof; da trat eine Magd zu ihm und sprach: Und du warst auch mit dem Jesus aus Galiläa. 70 Er leugnete aber vor ihnen allen und sprach: Ich weiß nicht, was du sagst. 71 Als er aber hinausging in die Torhalle, sah ihn eine andere und sprach zu denen, die da waren: Dieser war auch mit dem Jesus von Nazareth. 72 Und er leugnete abermals und schwor dazu: Ich kenne den Menschen nicht. 73 Und nach einer kleinen Weile traten hinzu, die da standen, und sprachen zu Petrus: Wahrhaftig, du bist auch einer von denen, denn deine Sprache verrät dich. 74 Da fing er an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht. Und alsbald krähte der Hahn. 75 Da dachte Petrus an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

Für Petrus bricht eine Welt zusammen. Er weiß, dass Jesus keine Chance mehr hat, lebend dort heraus zu kommen. Genau in dem Moment, wo er sich sowieso schon am Rande eines Zusammenbruchs befindet, bringt ihn das vorwitzige Geschwätz einer Küchenhilfe vollends aus der Fassung. Es ist möglicherweise gerade seine Leugnung, die andere auf ihn aufmerksam macht, und je mehr er redet und leugnet, umso mehr hört man seinen galiläischen Akzent, der ihn verrät. Wie kurz ist der Weg dahin, den besten Freund im Stich zu lassen, wenn erst einmal die Angst das Kommando übernommen hat. Ich kann mich nur still und mit gebeugtem Haupt neben diesen Petrus stellen und sagen: Ich auch. Was für ein Geschenk hat Gott uns mit der Fähigkeit des Weinens gemacht. Wohl jedem, der noch Tränen weinen kann, die nicht aus dem Selbstmitleid kommen sondern aus tiefer Reue vor Gott. Durch sie gibt es Hoffnung auf einen Neuanfang. Sie sind ein Gnadenschein der Hoffnung mitten in diesem deprimierenden Bericht.


ENDE Matthäus, Kapitel 26
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