Bibelmarathon - Mathäus Kapitel 25 (6)

So viel Talent - So wenig erreicht


5 Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein.

In dem Vers vom langen Ausbleiben des Bräutigams widerlegt Jesus die Unterstellung, die man heutzutage oft antrifft, dass er mit seiner schnellen Wiederkehr auf diese Erde gerechnet habe. Und 2. Petr. 3 tut dasselbe für den Bereich der Jünger. Sie mögen gehofft haben, dass er zu ihren Lebzeiten wiederkommt, aber sie waren durchaus darauf eingestellt, dass es anders sein könnte und waren bereit und in der Lage, diesen Verzug sogar theologisch zu begründen: „Ihr sollt vor allem wissen, dass in den letzten Tagen Spötter kommen werden, die ihren Spott treiben, ihren eigenen Begierden nachgehen und sagen: Wo bleibt die Verheißung seines Kommens? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es von Anfang der Schöpfung gewesen ist… Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag. Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde.“ (2. Petr. 3).

Wie viele Menschen hat es immer wieder gegeben, die das lange Ausbleiben der Wiederkunft Jesu dazu missbrauchten, eine Unglaubwürdigkeit der Heiligen Schrift nachzuweisen. Besonders Aufsehen erregend tat das Gotthold Ephraim Lessing, als er in „Nathan der Weise“ von einem „garstigen breiten Graben“ sprach, der angeblich zwischen Verheißung und Erfüllung verläuft. Weil wir klare Hinweise auf eine lange Wartezeit haben, können wir als Christen ganz locker und unverkrampft auf die Wiederkehr Jesu warten und die Zeit sinnvoll dafür nutzen, das Evangelium so deutlich zu proklamieren, dass es überall vernommen werden kann.

Nicht die lange Wartezeit ist unser Problem, sondern die Schläfrigkeit der Gemeinde, hinsichtlich ihres Evangelisationsauftrages. Sie ist zur Wachsamkeit aufgerufen. Das Bild von den zum Abmarsch bereiten Israeliten im 2. Buch Mose begegnet uns wieder in Lukas 12,5, wo es heißt: „Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen!“.

Wie äußert sich eigentlich Schläfrigkeit? Die Wahrnehmungsfähigkeit nimmt ab. Das Interesse lässt nach. Die Selbstkontrolle schwindet. Die Reaktionsbereitschaft geht zurück. Man gleitet ab in das Reich der Träume. Man verliert das Gefühl für die Umgebung, für die Ereignisse, für die Zeit. Es ist erschreckend, wie diese Beobachtungen auf die geistliche Bereitschaft vieler Christen des 21. Jahrhunderts zutreffen. Für jemanden, der zur Wachsamkeit berufen ist, präsentiert sich die Christenheit an diesem Punkt in einem gefährlichen Zustand.

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