Bibelmarathon - Mathäus Kapitel 25 (5)

So viel Talent - So wenig erreicht


Das Gegenstück von Torheit ist die Klugheit. Sie ist ein Zwilling der Weisheit, man könnte sagen: Klugheit ist angewandte Weisheit. In Sprüche 9 erfahren wir, dass die Weisheit „ihr Haus mit sieben Säulen gebaut“ hat, also aus sieben Teilen besteht. Was für Teile das aber sind, steht leider nicht dabei; es würde sich aber echt lohnen, einmal darüber nachzudenken, was für Bestandteile wohl zur Weisheit gehören.

Generell kann man sagen, dass es Torheit ist, eine Sache nicht zu Ende zu hören, zu denken und zu planen. Das führt zu einem vorschnellen Handeln, ohne ausreichend präpariert und vorbereitet zu sein. Unser Text macht deutlich, dass die Torheit des vorschnellen Urteilens, Redens und Handelns auch unter Christen weit verbreitet ist. Die Quote von 50% im Gleichnis muss uns nachdenklich stimmen. Wie viele gute Dinge in der Gemeinde und im Leben einzelner Christen scheitern an schlechter Vorbereitung? In ihrer Auswirkung wird Torheit letztlich der Sünde gleich gestellt. Nicht nur, wer am Ziel vorbei schießt, sondern auch, wer das Ziel gar nicht erreicht, verliert.


3 Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit. 4 Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen.

Dass es finster wird, hatten alle bemerkt und darum ihre Lampen mitgenommen. Christen sind sich dessen bewusst, dass sie in einer finsteren Welt unterwegs sind. Wer sich dort orientieren will, der braucht das Licht. Selbst der stärkste Scheinwerfer reicht dort nicht aus. Die innere Erleuchtung durch Gott ist erforderlich. In diesem Zusammenhang spielt es eine Rolle, dass Jesus gesagt hat „Ich bin das Licht der Welt!“ (Joh. 8,12). Vom Alten Testament her wissen wir, dass die Lampe, die zur inneren Erleuchtung führt, einen konkreten Namen hat: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg!“ (Psalm 119,105). Das Wort Gottes ist das Licht, das die Christen dringender als alles andere auf ihrem Weg, Christus entgegen, benötigen.

Dieses Licht hat einen Brennstoff, ohne den es nicht brennen und ohne den die Lampe ihren Auftrag nicht erfüllen kann, das Öl. Es steht in der Heiligen Schrift für Freude und Festlichkeit, vor allem aber für den Heiligen Geist. Die Jungfrauen hatten zu wenig Öl mitgenommen. Den Christen gebricht es am Ende an Heiligem Geist. Da mögen zunächst einige triumphieren, die dem Heiligen Geist in der heutigen Theologie eine Sonderrolle zudenken. Ob das diesem Gleichnis Jesu gerecht wird? Was passiert denn mit den Frauen ohne genügend Öl? Ihre Lampen verlöschen, das Wort Gottes leuchtet ihnen nicht mehr, es bleibt für sie finster. Der Geist Gottes ist der Brennstoff, der allen das Wort zum Strahlen bringt. Geist und Wort auseinander reißen zu wollen ist Torheit.

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