Bibelmarathon - Mathäus Kapitel 2 (9)
Verehrt und Verachtet - Muster eines Lebens
19 Als Herodes gestorben war, erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum 20 und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot.
Auch hier ist die Bibel ehrlicher, als wir es oft sind. Manches Problem kann tatsächlich erst nach einem Tod gelöst werden. Es gibt Knoten, die während der Lebenszeit eines Menschen nicht entflochten werden können. Interessant ist, dass uns an dieser Stelle kein Aufruf zum Tyrannenmord begegnet, sondern die schlichte Aufforderung zur Geduld. Gott löst manche Probleme durch den Einsatz des simplen Faktors „Zeit“ auf. Menschen Gottes dürfen darauf vertrauen und darum auch in schwierigen Zeiten gelassen bleiben.
21 Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel.
Die Bibel spricht vom Kind und seiner Mutter. Das geht doch eigentlich auch kürzer. Er nahm die Seinen, oder er nahm seine Familie. Es steckt etwas von Hochachtung in dieser Zeile. Das Geheimnis einer guten Beziehung ist die beständige Anerkennung der ganzen Persönlichkeit des Anderen und seiner Berufung von Gott.
22 Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaus an Stelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa 23 und ließ sich in einer Stadt namens Nazareth nieder. Denn es sollte sich erfüllen, was durch die Propheten gesagt worden ist: Er wird Nazoräer genannt werden.
Auch mit der Heimkehr sind nicht einfach alle Probleme gelöst. Weiterhin ist Vorsicht geboten. Die Furcht ist nicht nur ein unangenehmes Gefühl, das man möglichst abschütteln möchte, sie ist auch ein sehr wichtiges Instrument zur Entscheidung und Wahrheitsfindung.
Tendieren wir heutigen Menschen nicht manchmal dazu, ein gelöstes Problem schnell als Freibrief zu neuer Leichtfertigkeit zu missverstehen? Wie viele Lebensprobleme, auch bei Christen, entstehen daraus, dass wir innere Mahnungen und göttliche Warnungen nicht zum Zuge kommen lassen? Was ist der Grund dafür? Ist es nicht die Tatsache, dass wir den eigenen Lebensentwurf hoch über alles andere gestellt haben? Was für eine Reife und Verantwortungsfähigkeit strahlt der junge Familienvater Josef demgegenüber aus. Er lässt sich bereitwillig von Gott führen „Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl!“ dichtet Paul Gerhardt. Dazu ist aber nötig, dass der Mensch sich wirklich auch führen lässt, dass er mit Gott mitgeht. Oft wundern wir uns über Stillstand auf unserem Lebensweg. Kann es damit zusammenhängen, dass Gottes Richtung und unsere eigene sich gegenseitig aufheben und darum gar nichts geht?
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